Dienstag, 8. Juli 2014

Über Hoch-Zeiten und Tief-Zeiten und über andere finnländische Phänomene




Mir ist natürlich schon bekannt, dass mein Mama-Mensch ursprünglich aus diesem Finnland stammt. In der letzten Woche war es aber dann endlich soweit, zum ersten Mal sollte ich mit meiner Familie dieses Finnland besuchen dürfen, weil dort - so mein Mama-Mensch - jetzt Sommer und Hoch-Zeit sei. Meine Menschen haben eine Fahrt dorthin zwar schon lange geplant, es ist jedoch immer etwas dazwischen gekommen. Zum Beispiel im Winter, da wollte mein Mama-Mensch auf keinen Fall fahren, weil dort dann wohl Tief-Zeit ist. Tiefste Temperaturen, tiefster Schnee und tiefste Dunkelheit. Aber nun, weil ja Sommer ist, sind die besten Voraussetzungen für eine Reise in dieses Finnland wohl gegeben.

Da ich mit meinen Menschen ja schon so viel gereist bin, war ich vor dieser Reise kaum mehr nervös, vor allem, weil ich bei der Abreise wusste, dass wir in eine völlig entgegensetzte Richtung zu diesem Spanien fuhren. Meine Menschen hatten gesagt, dass wir zuerst zu einem Hafen fahren werden, um mit einem großen Schiff ein großes Wasser zu überqueren. Ich glaube es heißt Atlantik ...nee, Indischer Ozean, ja, das war es! Der Name kommt sicher von den ursprünglichen Einwohnern, die dieses große Wasser überquerten, um aus irgendeinem Grund in so einem nordischen Land zu leben - also so wie die Indianer in diesem Amerika. Dass auch mein Mama-Mensch Indianerblut in sich hat, das sieht man sofort an ihren Haaren, die besonders morgens eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Irokesenfrisur haben. Am Hafen angekommen hörte ich, dass
dieser Teil von dem Indischen Ozean wohl Ostsee heißt. Weit und breit war aber kein Schiff zu sehen. Ich bin ja schon einmal auf einem Schiff gewesen, damals in Bremerhaven, auf so einem Holzschiff mit Restaurant. Wie Ihr vielleicht noch in Erinnerung habt, wurde mir dort furchtbar schlecht. Und nun sollte ich fast zwei Tage hin und fast zwei Tage zurück auf so einem Segelschiff mit Restaurant überstehen?


Plötzlich zeigten mein Mama- und Schwerster-Mensch ganz aufgeregt irgendwohin aufs Wasser und wären sicher wieder irgendwie so rumgehüpft, wenn wir nicht gerade im Auto gesessen hätten. Als ich das Ding auf dem Wasser sah, war ich auch total verblüfft: ganz langsam näherte sich ein riesiges Hotel dem Hafen! Das war ja gar kein Schiff, sondern ein mehrstöckiges Gebäude mit vielen Fenstern und Lichtern und mit einem
eigenen Hof sowie mit vielen Parkplätzen. Da mein Papa-Mensch ganz ruhig und fröhlich wirkte, schluckte ich die aufkommende Panik herunter. Wird schon schief gehen, dachte ich. Als wir mit dem Auto auf dem Hotelparkplatz parkten und ausstiegen, entdeckte ich auch ein paar andere Hunde. Die Überfahrt könnte doch richtig interessant werden. Das Hotelzimmer war ganz ähnlich denen, die ich schon aus den anderen Hotels kannte. Nur war es etwas kleiner. Weil ich mein eigenes Kissen mitgenommen hatte, konnte ich mich ganz beruhigt hinlegen und bekam von der Abfahrt nichts mehr mit. Außerdem, muss ich sagen, fährt so ein Hotel viel ruhiger als so ein Schiff: mir wurde kein einziges Mal übel oder schwindelig!

Allerdings bereitete mir während der ganzen Überfahrt eine Sache ziemlich große Sorgen. Meine Menschen führten mich öfter nach draußen, auf den Hof. Hier sollte ich auch mein Geschäftchen erledigen können. Dort
entdeckte ich ein sehr großes Katzenklo, so tausend Mal größer als das Zuhause, jedoch genauso mit Sand befüllt. Ich schnupperte daran und bemerkte, dass einige Hunde dort etwas hinein gemacht hatten - aber ich, ich benutze doch kein Katzenklo! Kurz gesagt, ich erledigte mein Geschäftchen lieber immer daneben. Die ganze Zeit musste ich aber daran denken, dass wenn das Katzenklo so riesig war, wie groß dann die Katzen hier erst sein würden?

In diesem Finnland angekommen schaute ich mich erst einmal neugierig um. Von meinem Mama-Menschen hatte ich gehört, dass dort viele kleine und große Elche frei herumlaufen. Zu meiner Enttäuschung sah ich aber nur eine Autobahn, auf der - uns mit eingerechnet - ungefähr zehn Autos unterwegs waren. Neben der Autobahn gab es wahnsinnig viel Wald, ab und zu einen See und manchmal sogar ein paar Häuser, die alle aus Holz waren, zu entdecken. Als wir
schließlich in einer kleineren Stadt ankamen, stupsten sich mein Mama- und mein Schwester-Mensch gegenseitig an und zeigten wieder ganz aufgeregt auf irgendwas. Anscheinend waren alle meine Menschen hier schon früher gewesen, obwohl augenscheinlich nur mein Papa-Mensch den richtigen Weg kannte. Ach ja, sie alle haben ja fast neun Jahre in dem Finnenland gelebt. Vor einem kleinen Hochhaus wartete eine sogar mir bekannte Frau auf uns - das war der finnländische Oma-Mensch, den ich schon einmal in Deutschland getroffen hatte. Darauf hätte ich auch selber kommen können, dass wir sie und den finnländischen Opa-Menschen in diesem Finnland in der sommerlichen Hoch-Zeit besuchen würden.

Bei meinen Spaziergängen entdeckte ich ein paar Merkwürdigkeiten. Wir liefen in die eine Richtung und kamen zum Wasser, dann in die andere Richtung, und kamen wieder zum Wasser … und das wieder und wieder. Meine Menschen sagten, dass es sich um mehrere Seen handelt, aber für mich sah eigentlich alles gleich aus. Vor einem Supermarkt entdeckte ich zu meinem Entsetzten Käfige für Hunde. Ob dort wohl Hunde in Supermärkten verkauft wurden? Zuerst war ich ziemlich empört, als mein Papa-Mensch auch noch anfing, diese furchtbaren Dinger zu fotografieren - dann aber erfuhr ich, dass diese Käfige zum
Schutz (vor Diebstählen) dienten - also so etwas wie Frauenparkplätze auf den Parkplätzen in Deutschland. Trotzdem wollte ich diese Hundeparkplätze auf keinen Fall näher betrachten und bliebt wie immer mit meinem Papa-Menschen im Auto sitzen. Ich kenne aber ein paar Kinder, die lieber die Zeit des Einkaufs in so einem Käfig verbringen sollten ...

Die Sache mit der Hoch-Zeit ist mir jedoch bis heute etwas unklar geblieben. Schon am ersten Tag nach der Ankunft zogen alle Menschen irgendwelche festliche Kleidung an. Auch ich bekam mein feinstes Tuch umgebunden und es wurde angekündigt, dass wir nun zur Hoch-Zeit des finnländischen Bruder-Menschen von meinem Mama-Menschen fahren würden. Ich dachte ja, wir wären eben in der finnländischen Hoch-Zeit in diesem Land. Anscheinend hat aber jeder Finnländer dort noch eine eigene, besondere Hoch-Zeit. Wir fuhren also zu einem Gebäude, das irgendwie wie Gotteshaus hieß und neben dem sich sehr viele Menschen versammelt hatten. Ich blieb lieber mit meinem Papa-Menschen draußen. Als die Menschen hinein gingen, sagten sie, dass dort drin der finnländische Bruder mit seiner Hoch-Zeit wäre. Da wusste ich, dass diese Hoch-Zeit etwas besonders sein musste, weil der Bruder wohl in diesem Gotteshaus lebte und damit
irgendein heidnischer Gott sein musste. Nach einiger Zeit kamen alle wieder heraus, und ich musste sofort an die Waschmittelwerbung aus dem Fernsehen denken. Der Bruder und neben ihm ein weiblicher Engel in Weiß wurden gefeiert. Alle klatschten und riefen etwas, bevor gemeinsam zu einem Lokal gefahren wurde und diese besondere Hoch-Zeit noch den ganzen Abend gefeiert wurde. Von all solchen heidnischen Sitten habe ich ja keine Ahnung, aber die dort angebotenen Fleischbällchen schmeckten mir schon besonders hoch-zeitig.


Obwohl ich meinen Mama-Menschen sehr lieb habe, musste ich während des Aufenthalts in diesem Finnland feststellen, dass sie auch in ihrer Heimat sehr nervig sein kann. Fast jede Nacht musste sie irgendwann aufstehen und vom Fenster aus bewundern, wie hell die Nächte dort doch sind. Klar bewunderte ich es auch etwas, aber mit Fleischbällchen und anderen Finnländischen Spezialitäten im Bauch war mir mein Schlaf wichtiger, als meinem etwas irre gewordenen Mama-Menschen mitten in der Nacht zu zuhören. Und auch mein Papa-Mensch schnarchte ja schließlich vollkommen unbeirrt weiter ...



Montag, 9. Juni 2014

(Nacht-)Gedanken zum Symphatietag, zu Tomaten, Wasser und Selbsthilfegruppen


So, nun ist er leider schon wieder vorbei, mein neunter Sympathietag. Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass soooo viiiiele nette Menschen mir über meinen Mama-Menschen Glückwünsche und Grüße haben ausrichten lassen. Gleich noch am Abend habe ich meinen Mama-Menschen und meinen Papa-Menschen darum gebeten, als Dank dafür doch wieder einmal etwas in meinem Blog zu schreiben, da unser größeres Projekt noch Arbeit bereiten und so noch Zeit in Anspruch nehmen wird. Neben den Geschenken und nicht zu vergessen, dem Auspacken der selbigen, ist natürlich auch in diesem Jahr wieder das so liebevoll zubereitete Geburtstagstörtchen meines Mama-Menschen ein absolutes Highlight gewesen. Und obwohl ich es eigentlich immer hinnehme, wenn unsere Katzen an meine Sachen gehen - denn Katzen wissen es ja schließlich nicht besser - sah ich mich in diesem Jahr leider dazu gezwungen, mein eigenes kleines Geburtstagstörtchen mit einem warnenden Knurren zu verteidigen, um es dann in aller Eile vor unseren Katzen zu retten.

Ja, noch vor einigen Wochen, da hätte mein Mama-Mensch sofort reagiert und unseren Katzen die Situation mit einem unmissverständlichen „Huuuuusch“ verdeutlicht. Seit mein Mama-Mensch aber dieses Problem hat, da lassen ihre Reaktionen immer mehr zu wünschen übrig. Und auch, wenn die Menschen solche Art
von Problemen gerne unter den Teppich kehren, so muss ich sagen, dass mein Mama-Menschen Tomatlikerin ist. Wirklich bei jeder Gelegenheit konsumiert mein Mama-Mensch diese Dinger - zum Frühstück, zum Mittagessen, zwischendurch in Form von „gesunden“ Salaten und sogar in unseren Hauptmahlzeiten finden wir diese roten Dinger wieder, sei es als Salatbeilage, sei es als Gemüse oder ganz „unauffällig“ in die Soße eingearbeitet. Hat mein Mama-Mensch diese Dinger dann konsumiert, so schaut sie selig und glücklich drein. Dazu braucht sie aber, wie es bei einer Sucht wohl üblich ist, immer größere Mengen. Vielleicht trinkt sie
inzwischen sogar heimlich aus dieser großen roten Tube, auf der diese Dinger abgebildet sind - allerdings steht dort „Ketchup“ drauf. Wir alle machen uns wirklich große Sorgen um meinen Mama-Menschen. Meinen Papa-Menschen und meinen Schwester-Menschen habe ich sogar schon darüber diskutieren gehört, ob sie nicht eine Tomatliker-Selbsthilfegruppe im Internet gründen sollen.

Ein weiterer Stoff, welcher anscheinend in meiner Mensch-Familie ein Suchtpotential hat, das ist Wasser. Selbst mag ich ja kein Wasser, schon wenn dieses kalte Zeug nur vom Himmel fällt und mein Mama-Mensch und mein Papa-Mensch mich
trotzdem dazu zwingen, meine Runden zu laufen - hui, mich schauert es bereits, wenn ich nur daran denke. Trotz des anschließenden Abrubbelns mit meinem Handtuch frage ich mich dann immer, ob mein Fell jemals wieder trocknen wird. Unser Fluss-Urlaub im letzten Jahr, der war ja gerade noch so zu akzeptieren, denn es war im Verhältnis noch wenig Wasser und ich konnte gebührenden Abstand dazu halten. Richtig begonnen hat alles erst mit meinem Oma-Menschen. Unbedingt wollte sie mal wieder an einem riiiiesigen Wasser den Urlaub verbringen. Voller Begeisterung versprach mein Papa-Mensch, dass wir meinen Oma-Menschen zu diesem riiiisigen Wasser bringen und dort auch wieder abholen würden. Allein schon der Name von diesem Ort: Gucks-
Hafen - ja, da guckst du, aber der Ort heißt wohl so. Nachdem wir wieder meinen kleinen Rucksack gepackt hatten, ging es schließlich los und als wir meinen Oma-Menschen an einem Haus mit dem Schild „Hotel“ abgesetzt hatten, mussten sich mein Mama-Mensch und mein Papa-Mensch natürlich unbedingt dieses riiiisige Wasser angucken.

Bereits kurze Zeit später fuhren wir wieder ans Wasser. Wieder ein Hafen und wieder ein riiiisiges Wasser - ich glaube sogar, das es dasselbe Wasser war, wie das Wasser in diesem Gucks-Hafen. Zu allem Unglück kam auch noch das Wasser aus dem Himmel dazu und so beschlossen mein Mama-Mensch und mein Papa-Mensch sich einen trockenen Platz zu suchen und dort etwas zu essen. Fein dachte ich, ein Platz ohne Wasser und sogar noch etwas zu essen. Doch dann führte uns mein Papa-Mensch zu einem riesigen Ding aus Holz. Mit Schreck erkannte ich, dass dieses Ding ein Schiff war und drumherum befand sich natürlich: Wasser. Während das Wasser vom Himmel
inzwischen endgültig mein Fell durchnässt hatte, erklärte mein Papa-Mensch derweil leutselig - und ganz offensichtlich völlig berauscht durch das viele Wasser - dass dieses Schiff ein „Süßes Mädchen“ und bei seiner ersten Fahrt der Kapitän auf hoher See unter äußerst mysteriösen Umständen spurlos verschwunden sei. Das verwunderte mich nun gar nicht, denn auch ich wäre gern verschwunden. Außerdem, so mein Papa-Mensch weiter, wurde das Schiff auch in diesem Finnland dazu benutzt, um Holz zu transportieren. Als echte Finnländerin und eigentlich in unserer Familie zuständig für Geschichte, war mein Mama-Mensch natürlich sofort absolut begeistert. Das war also der angeblich trockene Platz und wo war nun das versprochene Essen? Wir machten uns also auf in den Bauch des Schiffes und man soll es nicht für möglich halten, dort befand sich ein Restaurant - Menschen sind manchmal schon komisch. Das Essen war dann ein Graus, denn alles schwankte und ich fühlte mich ganz schwindelig.


Wie bereits gesagt, zur Befriedigung einer Sucht muss man immer mehr konsumieren. Mir könnte es sicher mit meinen allerliebsten Lieblings-Leckerchen und mit meinem Geburtstagstörtchen so gehen. Übrigens, zu
meinem Sympathietag bekam ich noch ein großes, grelles und unbequemes Ding geschenkt. Mein Papa-Mensch sagt, das solle meiner Sicherheit dienen, wenn wir im Sommer ein anderes riiiisiges Wasser überqueren.

(Merke: Eine Wasserliker-Selbshilfegruppe für meinen Papa-Menschen gründen.)