Dienstag, 10. Dezember 2013

Kleine Pause für etwas Größeres

Es freut mich immer so sehr, dass so viel Interesse an meinem Leben und an meinen Betrachtungen besteht. Da so unheimlich viele immer meinen Blog lesen und kommentieren, fühle ich mich ermutigt, etwas größeres zu wagen: ein Buch zu schreiben! Darauf muß ich mich aber so sehr konzentrieren, dass mir im Moment wenig Zeit für meinen Blog bleibt. Ich hoffe jedoch, dass es mir keiner übel nimmt und natürlich, dass - wenn es denn so weit ist - das Buch auch so viel Freude macht.

Mit diesem Bild vom letzten Jahr wünsche ich allen schöne und besinnliche Weihnachten. Weihnachten kenne ich ja schon, das ist dieser Geburtstag von dem einen Jesus, der bereit vor ewig langer Zeit über die Regenbogenbrücke gegangen ist und deswegen selber keine Geschenke auspacken kann. Natürlich gibt es auch furchtbar gutes
Essen, obwohl einiges mir schon ein bisschen komisch vorkommt. Mein Mama- und Schwester-Mensch haben zum Beispiel Pfefferkuchen gebacken, soll wieder etwas Finnländisches sein. Etwas skeptisch habe ich schon probiert, aber es schmeckt doch nicht nach Pfeffer. Mein Papa-Mensch meint immer, dass ich nicht so viel davon haben darf, weil ich dann Bauchweh bekomme. Na ja, so gut schmecken diese ja auch nicht. Außerdem ist da ja noch Sauerbraten und Schinken, Vorspeisen ...oh, ich glaube, jetzt bekomme ich Hunger und gehe mal ein bisschen essen.

Ich melde mich bald wieder!


Dienstag, 5. November 2013

Eine Reise in die Vergangenheit

Einige behaupten, dass man sich seinen Ängsten stellen muß, um diese zu überwinden. Ohne jemanden zu Nahe treten zu wollen, muß ich sagen, dass das großer Blödsinn ist. Wenn Hund so klein ist wie ich und eine große Monsterangstwelle einem entgegen rollt, ist Hund doch ziemlich machtlos. Obwohl ich meine Menschen dabei hatte, wurde unsere Familienreise zum Albtraum für mich. Sie katapultierte mich direkt zurück in meine Vergangenheit, was ich eigentlich nie wieder erleben wollte.

Mit meinen Menschen zu verreisen und neues zu erleben gefällt mir wirklich gut. Dieses Mal fuhren sogar alle mit, auch mein Schwester-Mensch und mein Oma-Mensch. Etwas mulmig wurde mir schon, als wir nach langer Fahrt und einer Zwischenübernachtung ewig lang weiterfuhren. Während jeder Pause wurde es mir immer mehr bewußt, wohin die Reise wohl
dieses Mal führen würde: nach Spanien! Meine Menschen sagten zwar ständig, dass wir nach Süd-Frankreich fahren, aber das ist sicher irgendein mir nicht bekannter Landesteil von Spanien. Als wir dort ankamen, zögerte ich lange, bevor ich überhaupt aus dem Auto hinaus sprang. Meine Menschen wunderten sich etwas, aber sie hätten es doch wissen müssen, dass ich nie mehr dorthin zurück will. Dort ist so viel furchtbares passiert. Nie wollte ich wieder hin. Nie. Und da stand ich nun. Vielleicht hatten sie sogar vorgehabt, mich nach Spanien zurück zu bringen und zu verlassen. Alle waren zum Abschied mitgefahren. Es war möglich, es ist immer möglich.

Als ich mich erleichtern mußte, stieg ich endlich aus. Widerstrebend folgte ich meinen
Menschen auf einen Spaziergang durch den Ort. Alles um mich herum bestätigte meinen Verdacht: es war Spanien. Die Häuser sahen ähnlich aus, einige waren auch genau so heruntergekommen, wie dort, wo ich früher gelebt habe. Auch die Farben stimmten, die engen Gassen, die Gerüche, die südlichen Blumen und Sträuche. Als ich die ersten freilaufenden Hunde begegnete, die mich anschnautzten, wollte ich nur weg. Zum Glück hatte ich mein Mama-Mobil dabei und so konnte ich es benutzen, wann immer ich wollte.


Um meine Menschen nicht zu beunruhigen, versuchte ich ganz tapfer zu sein. Ich konnte mir aber nicht helfen, so dass ich jeden Menschen anbellte, der unser Ferienhaus auch nur kurz ansah. Einmal mußte ich sogar heulen, so wie Antonia es uns auf der Finca Lucendum beigebracht hatte. Mein Mama-Mensch fand mich süß, weil mein Mund wie ein kleines O aussah, aber gleichzeitig sah ich sie Blicke mit meinem Papa-Menschen wechseln. Ja, so
etwas hatte ich noch nie in Deutschland gemacht. Sogar einen kleinen Hund von anderen Touristen, der an einer Leine spazierte, wollte ich verjagen, obwohl ich eigentlich jeden kleinen Hund mag. Aber das war hier ja auch nicht Deutschland. Hier in Spanien mußte ich höllisch aufpassen.

Ein Mal sah ich sogar eine furchtbare Ratte. Sie war zwar schon tot, aber trotzdem. Da wollte ich auch gleich wieder auf den Schoß. Es war in einer Stadt, wo irgendein riesiges Gebäude stand, das größte seiner Art in der ganzen Welt. Besonders mein Mama-Mensch wollte es besichtigen, was uns nicht großartig überraschte. Als sie wieder mit ihren geschichtlichen Fakten anfing, schaltete ich jedoch schnell ab. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es den anderen auch so ging – nach deren leeren Blicken zu beurteilen.

Ich weiß noch, dass in diesem Gebäude irgendeine Kirchen-Babsi oder so gewohnt und ganz wichtig getan hat. Sie hatte irgendwie ihren Stuhl von Vatikan dorthin gebracht. Ziemlich viel Raum war es schon für eine Frau und ihren Stuhl. Ob sie sich selber Babsi nannte, oder war es
vielleicht nur ein Kosename? Sie hieß sicher richtig Barbara. Das wäre auch für mich viel einfacher auszusprechen. Ich übte es ein paar Mal kurz: arr-arr-aaa; arr-aa-rraa. Als ich jedoch merkte, dass alle mich anstarrten, ließ ich es bleiben. War ja auch nicht so wichtig. Aber mit den Kosenamen ist es schon irgendwie etwas verwirrend. Ich heiße ja eigentlich Pia, aber mein Papa-Mensch nennt mich oft Mäuschen. Und mein Mama-Mensch nennt mich Sima oder Simasuu. Das soll etwas Finnländisches sein. Aber Babsi würde wirklich nicht zu mir passen.

Der Ehrlichkeit halber muß ich sagen, dass es dort in Teilspanien auch etwas gab, was mir gefiel: das Essen (aus Deutschland mitgenommen) und – öh – ja, die Wärme. Das war es dann schon. Ne, auch der Berg hat mir gefallen, weil ich dort meinen Mama-Menschen beschützen konnte. An einem Tag machten wir einen Ausflug auf einen Berg, der fast drei Kilometer hoch war. Schon
während der Fahrt merkte ich, dass mit meinem Mama-Menschen etwas nicht stimmte. Sie schrie dauernd irgendetwas wie „nicht so schnell“ oder „nicht so weit rechts“ oder „muß das sein“ oder „aargh“. Je höher wir fuhren, desto kühler wurde es, wie ich leicht feststellen konnte. Aber je höher wir fuhren, desto mehr schwitzte mein Mama-Mensch. Das fand ich schon recht merkwürdig. Auf der Spitze angekommen ging sie nur kurz zum Aussichtsplatz und setzte sich dann auf einen Felsen. Obwohl sie nicht stark hechelte oder ihre Lippen leckte – den Schwanz einziehen kam ja so wie so nicht in Frage – verstand ich sofort, dass sie große
Angst haben mußte. Ich setzte mich auf ihren Schoß und tat ganz entspannt, um ihr zu zeigen, dass es dort doch gar nicht gefährlich sei. Endlich konnte ich auch ein Mal jemandem die Angst nehmen!


Endlich fuhren wir alle zurück nach Hause - ich auch! Selbstverständlich haben meine Menschen mich nicht verlassen und natürlich dachten wir nicht daran, für immer dort in Spanien zu bleiben. Schon bei der Rückreise, als wir in demselben Hotel wieder übernachteten, war ich so froh, dass ich nur herum sprang. Trotzdem dauerte es noch Wochen, bis ich mich von dieser Reise und von all dem Schrecken erholt habe. So eine Begegnung mit meiner Vergangenheit will ich aber nie mehr erleben!
Regen ist auch egal -- Hauptsache es geht nach Hause!

Sonntag, 8. September 2013

Eine Überraschung hoch zwei

Obwohl ich glaube, schon so viel gesehen und erlebt zu haben, wurde ich an diesem Tag gleich zwei Mal völlig überrascht. Wenn ich nur besser zugehört hätte, was meine Eltern-Menschen planten, hätte ich mich sicher auf den Tag irgendwie vorbereiten können, aber manchmal wird einfach zu viel geredet. Wahrscheinlich wurde alles so wie so in der Zeit besprochen, wenn ich grade ein bisschen eingedöst bin. Das ist alles gar nicht so schlimm, vorausgesetzt, man mag Überraschungen, so wie ich. Jedenfalls meistens.
Nickerchen I
Natürlich nicht die bösen Überraschungen, wie dass ich damals in Spanien verlassen wurde und all das Böse, was dort geschah. Daran will ich gar nicht mehr denken.

Meine Eltern-Menschen verkündeten wieder einen Ausflug machen zu wollen. Das war ja nun wirklich nichts neues. Aber dann sagten sie, dass wir in ein Bad fahren würden. Mit dem Auto ins Bad? Wir haben doch Zuhause ein Bad. Ich habe gar nicht mitbekommen, dass es kaputt war. Manchmal haben meine Eltern-Menschen schon etwas merkwürdige Ideen. Als wir nach ein paar Fahrstunden oder so – ich war wie immer wieder eingeschlafen – ankamen, war ich schon richtig überrascht, muß ich sagen. Ich wußte gar nicht, dass die Menschen so etwas haben. Zwar kenne ich unseren Pool von Finca Lucendum, der nur für uns Hunde gebaut worden ist - glaube ich. Aber da in diesem Bad waren mitten in einem riesigen Park
Überall gab es Duschen
mehrere Pools mit Duschen. Das war schon richtig beeindruckend. Die Pools - meistens Rund, sehr groß und noch größer als auf der Finca - hatten entweder in der Mitte eine große Dusche oder auf den Seiten mehrere, die dauernd liefen.

Sehr merkwürdig fand ich auch, dass obwohl dort sehr viele Menschen waren, keiner badete oder duschte. Meine Eltern-Menschen auch nicht. Da fiel mir ein, dass sie zwar meinen Rucksack mit Futter, Leckerlies und ganz viel Wasser mitgenommen haben, aber keine Handtücher, die sie jedenfalls bis jetzt beim Duschen benutzt haben. Vielleicht konnte man dort im Bad einfach so duschen, ohne Handtücher. Es wurde noch sehr heiß,
Noch eine Dusche
trotzdem wollte keiner ins Wasser. Natürlich auch ich nicht, aber das ist ja etwas völlig anders, denn ich hasse regen und duschen ist genau wie Regen. Vielleicht handelte es sich um eine Badausstellung, von einem Herren Namens Oeynhausen, weil meine Eltern-Menschen meinten, er hätte all das ins Leben gerufen. Irgendwas so etwas. Vielleicht suchten alle Besucher nach Ideen für ein neues Bad.

Meine Eltern-Menschen liefen eine Weile herum. Mir kam es ein bisschen vor, dass sie auf etwas warteten. Vielleicht wollten sie doch etwas ausprobieren und alle hatten bestimmte Duschzeiten, wie Zuhause auch. Aber so hektisch wie morgens bei meinen Menschen war es dort in diesem Bad nicht. Ehr sehr ruhig. So ruhig, dass ich mich unbedingt etwas ausruhen mußte. Wie alle anderen auch setzten meine Eltern-Menschen sich auf eine Bank und starrten die Duschen an. Ich fand es nicht nur ruhig sonder auch außergewöhnlich langweilig. Eine gute Zeit für ein Nickerchen.
Eine Dusche für Kinder

Bade-Enten als Zubehör für einige Modelle

Das Modell Parkhausbad gefiel mir nicht

Durch das Klingeln von Mamas Handy wurde ich aufgeweckt. Mein Mama-Mensch schaute sich um und fing an, hektisch hin und her zu laufen. Was war denn nun wieder? Sie rief etwas, dass eine Biene kommt oder ähnlich. Ich gähnte und blickte meinen Papa-Menschen an, der nur mit den Schultern zuckte. Plötzlich verschwand mein Mama-Mensch hinter einem Busch, was mich schon etwas nervös machte. Ich möchte
Nickerchen II
lieber meine Menschen immer im Blick haben. Da, schon kam sie wieder zurück, lief bei uns vorbei und verschwand in die andere Richtung. Mich bat sie beim vorbeihuschen zu warten. Ja, ja – klar. Es war auch viel zu heiß, um hinter ihr her zu laufen. Sie hatte wohl wieder Mal eine Biene oder eine Wespe oder so gesehen.

Sie kam zurück aber nicht alleine. Eine Tante begleitete sie und sie hatte auch noch einen Hund bei sich. Einen Hund, der größer war als ich! Oh je! Sie kamen direkt auf uns zu und die Tante und mein Mama-Mensch sprachen schon eifrig miteinander. Der große schwarze Hund kam auch noch auf mich zu! Mein Papa-Mensch wenigstens beschützte mich. Als sie näher kamen, war ich auf ein Mal sehr überrascht, aber trotzdem knurrte ich den anderen Hund vorsichtshalber ein
Die schöne Püppi
bisschen an. Es war doch nicht möglich, oder? Ich spürte sofort, dass diese schwarze, schöne Hündin garantiert auch aus Spanien kam. Wie aufregend! Wie kann es sein, dass außer mir noch ein Hund aus Spanien hier in diesem Deutschland ist? Ihre Tante war eine Sabine, die auch mich richtig freundlich begrüßte.

Schnell kam ich mit der Hündin, die doch nicht sooooo viel größer als ich war, ins Gespräch. Sie hieß Püppi, aber meinte, dass sie in Spanien auch einen anderen Namen gehabt hat. Etwas mit Eloi oder so. Es war so komisch, wieder Spanisch mit einem anderen Hund zu sprechen! Ein bisschen hatte es mir gefehlt, obwohl ich dabei ein mulmiges Gefühl hatte. Alles war so lange her und mit Spanien verband ich nicht nur schöne Erinnerungen. Püppi schien es genau so zu gehen. Sie erwähnte kurz, dass sie auf einem Müllplatz gelebt hat, weil sie mit ihren Babies verlassen wurde und dass die armen kleinen Babies keine Chance zum Überleben gehabt haben. Ich erzählte ihr kurz meine Geschichte. Aber für uns beide war es viel zu schmerzhaft, deswegen wechselten wir schnell das Thema.

Zusammen mit unseren Menschen spazierten wir in diesem Bad herum. Ich fragte Püppi, ob sie wüßte, warum hier keiner duschte oder badete. Ihr Mama-Mensch steckte wenigstens ihre Hand in so eine Wanne hinein und spritze Püppi mit dem Wasser nass. Anscheinend hatte Püppi auch keine große Lust zum baden. Dann aber sagte sie etwas, was ich kaum glauben konnte.

„Ich hatte auch in Spanien keine Lust zum baden, obwohl meine Retter von der Finca Lucendum extra einen Pool für uns Hunde gebaut hatten.“

Augenblicklich blieb ich stehen und starrte sie an. Sie war auch ein Finca Lucendum -Hund! Ein einziger anderer Hund aus Spanien in diesem Deutschland und ausgerechnet von meiner Gisi und meinem Ralf gerettet! Sie war genauso verblüfft, als sie erfuhr, dass Gisi und Ralf auch meine Lebensretter waren. Sie war auf die Finca gekommen, als ich diese schon verlassen hatte, aber sie kannte meine Tochter und alle meine Freunde dort – alle! Sie erzählte von Bonnie Blue, Roberta, Marte und Jupiter und natürlich von unserer kleinen Nervensäge Spike und von allen anderen. Lange sprachen wir auch über meine kleine Tochter
Püppi und ich hatten die selben Schutzengel: Gisi und Ralf!
Samantha. Püppi erzählte, wie schön es zu sehen war, wie sehr Unai und Samantha sich liebten. Meine Samantha hatte ihr Glück dort gefunden. Püppi hatte ihr Glück bei ihrem Mama-Menschen gefunden - und ich bei meinen Menschen. Da wurde dieses komische Bad mit seinen unwilligen Duschern nebensächlich.


Die Krönung des Tages war, als ich hörte, dass die wunderbar nette Mama-Tante von Püppi in ein paar Tagen auf die Finca zu Besuch fliegen würde und sah, dass meine Menschen eine Tüte voller Leckerlies und so ihr mitgaben – mit herzlichsten Grüßen auch an meine liebe kleine Samantha! Was für ein toller Tag mit einer Überraschung hoch zwei!

Freitag, 23. August 2013

Wir in Papas Revier

Eines habe ich gelernt, mein Mama-Mensch und mein Papa-Mensch können äußerst beharrlich sein. Mein Mama-Mensch - als Mamamobil - sorgt zum Beispiel standhaft für meine Mobilität, wenn ich keine Kraft mehr zum Laufen habe. Mein Papa-Mensch sorgt zum Beispiel unermüdlich für mein Wohlbefinden, wenn ich mit meiner Lieblingsbürste ausgiebig gebürstet werden möchte. Zugegeben, hin und wieder muss ich meine Menschen mit etwas Nachdruck an ihre Beharrlichkeit erinnern...


Nachdem aber nun die Suche nach einer neuen Bleibe an diesem Moses nicht von Erfolg gekrönt war, begann mein Mama-Mensch bereits kurze Zeit nach unserer Rückkehr Koffer sowie Reisetaschen wieder zu füllen, indem sie den Kleiderschrank - inklusive der „Stadtklamotten“ natürlich - wieder leerte. Oh je, jetzt begann die ganze Prozedur wieder von vorn. Stress beim Packen, Stress am Morgen der Abfahrt und ich ständig auf der Hut und immer mittendrin und hoffentlich mit dabei! Leider klappte es auch diesmal mit meinem eigenen kleinen Rucksack nicht wirklich besser.

Ich kam zu der Schlussfolgerung, dass mein Mama-Mensch und mein Papa-Mensch die Suche nach einem neuen Revier an einem anderen Ort fortsetzten wollten. Wie auch schon bei unserer Fahrt vor wenigen Wochen - wie eigentlich bei jeder unserer Fahrten -, schlief ich tief und unbekümmert. Und auch diesmal wachte ich auf, weil mein Papa-Mensch voller Freude verkündete, wir seien in unserem alten Revier. In diesem Augenblick bekam ich allerdings einen gehörigen Schrecken. Sofort musste ich daran denken, was ich meinen Mama-Menschen einmal in irgendeinem Zusammenhang über einen Film hatte sagen hören, wo an jedem Tag und immer wieder der Tag des Murmeltiers ist. Wir würden doch nicht etwa wieder zum Moses fahren und wieder zurück und wieder hin und wieder zurück und immer wieder packen und - oh neiiiiiiin!!! Doch als ich endlich aus dem Halbschlaf erwacht war, merkte ich, dass wir diesmal bereits am Ziel waren - wir in Papas Revier!
Es riecht alles anders!

Das Revier von meinem Papa-Menschen liegt im Sektor und die Menschen, die dort leben, sind seeeeeeeeeehr freundlich zu allen Menschen und zu allen Tieren - vielleicht einmal abgesehen von Fliegen und Mücken, die aber auch wirklich zu lästig sind. Das Revier besteht aus ganz vielen zusammenhängenden Städten und in dieser gefühlt riesigen Stadt gibt es unvorstellbar viel zu entdecken und zu schnüffeln. Allerdings sprechen viele Menschen dort, ähnlich wie mein Mama-Mensch, ihre sehr eigene Sprache: Eine Trinkhalle heißt dort: Bude - einen Kleingärtner nennt man dort: Laubenpieper - einen Schrotthändler nennt man dort: Klüngelskerl - eine nicht besonders gute Zeitung heißt dort: Käseblatt - Gebäck bezeichnet man dort als: Plätzkes, was wiederum nicht mit Klümpkes zu verwechseln ist. Dies alles ist zwar nicht so schwer wie Finnländisch, doch sollte es unser neues Revier werden, so muss ich sicher noch gaaaaaaaaaanz viel üben.
Hotelbetten sind sooooo schön!

Das Hotel gefiel mir sehr gut und - psssssssst, nicht verraten - ich durfte zwischen meinem Mama-Menschen und meinem Papa-Menschen im Bett schlafen. Zum Frühstück durfte ich mit in den Frühstücksraum, obwohl das eigentlich nicht erlaubt ist. Aber der nette Mann am Empfang hat es mir trotzdem erlaubt, weil ich Zitat: „eine ganz liebe und ganz brave“ bin .

Im Rahmen unserer Ausflüge besuchten wir auch ein großes Einkaufszentrum. Hier hatte mein Papa-Mensch vor dreißig Jahren mit der Polizei zu tun. Jawohl, mit einem Hauptkommissar Schimanski von der Mordkommission aus einer Stadt in diesem Revier. Mein Papa-Mensch war bei der Besichtigung des
„Tatortes“ ganz Feuer und Flamme, mein Mama-Mensch und ich hingegen nach der ausführlichen Begehung des Parkplatzes und der Besichtigung zweier Treppenhäuser, begleitet von Anekdoten, doch etwas ermattet. Mein Mama-Mensch erfrischte sich, indem sie sich anschließend die Geschäfte im Einkaufszentrum ansah und ich schlief im Auto auf dem Arm meines Papa-Menschen.

Ein besonderes Anliegen meines Mama-Menschen ist es hingegen gewesen, ihre alte Schule zu besuchen. Hier hat sie Historikerin und wohl etwas mit Medizin gelernt, denn sie ist ja auch Doktor.
Mein Mama-Mensch war bei der Besichtigung der „Lehranstalt“ ganz Feuer und Flamme, mein Papa-Mensch und ich hingegen nach der ausführlichen Begehung des Schulhofes und der Besichtigung der Gebäude, begleitet von Anekdoten, doch etwas ermattet. Und so schlief ich im Auto …

Da gefiel mir ein Besuch auf dem Gelände einer stillgelegten Zeche doch schon viel, viel besser. Schließlich bin ich dort schon einmal gewesen und wusste, es gibt dort viel Kunst und Kultur und viel zu schnüffeln.

Im Revier meines Papa-Menschen findet man auch gaaaaaanz viel Natur. Es verfügt über einen eigenen Moses, einen großen See, über Parks und Gärten und noch vieles, vieles mehr. Zwar gibt es dort keine
Burgen, wie am Moses, doch herrliche Schlösser. Da zwei Tage vor unserer Abreise mein Schwester-Mensch von den Sardinen zurückkehrte - zunächst habe ich sie ganz misstrauisch beschnüffelt, doch Gott sei dank roch sie nicht nach Fisch - zogen wir in ein anderes Hotel. Dieses Schlosshotel liegt - wie der Name ja schon sagt - direkt an einem Schloss und einem besonders schönen Park.


Übrigens, den wunderschönen See haben wir noch kurz vor unserer Abreise besucht. Als dann das Ausflugsschiff kam, hoffte ich für einen
Moment wir würden mitfahren können. Aber leider reichte die Zeit nicht mehr aus und das ist vielleicht auch ganz gut so, denn auf Schiffen überkommt mich immer ein Unwohlsein. An diesem See gibt es ein weiteres Schloss - ein unbewohntes Schloss mit einer weißen Frau, sagt mein Papa-Mensch …. - und im nächsten Moment ist mein Mama-Mensch wieder im Auto gesessen und verlangte energisch nach der Abreise.

Ich auf meinem Mama-Mobil und mein Schwester-Mensch.
Mein Mama-Mensch hatte es plötzlich ganz eilig.


Tschüß, Papas Revier!



Freitag, 16. August 2013

(Nacht-)Gedanken zum Dorfdschungel, zu Vampiren und zu Engeln

Gerne drehe ich jeden Tag meine Runden durch das Dorf. In Begleitung von meinem Mama-Menschen und meinem Papa-Menschen schnüffle ich Spuren, treffe Freunde und Bekannte und erledige ganz nebenbei mein Geschäft. Bisher waren diese Spaziergänge immer von Ruhe und Harmonie geprägt.
Im Winter ist Schnüffeln total unhektisch!

In den letzten Wochen jedoch, gleichen die Runden immer mehr einem Zick-Zack-Kurs, begleitet von undefinierbaren Ausrufen wie: „ÖÖÖÖÖH“, „AAAAAH“, „EIIII“ und dergleichen mehr. Gleichzeitig werde ich jäh und ungestüm beim Schnüffeln oder beim Dahinschlendern unterbrochen und mit merklich erhöhtem Tempo wird der Spaziergang in die eine und zugleich in die andere Richtung fortgesetzt. Verursacher dieser
Jetzt geht es aber wieder schnell irgendwohin!
seltsamen Laute ist mein Mama-Mensch und obwohl sie eine echte Finnländerin ist, macht ihr der Dorfdschungel in letzter Zeit sehr zu schaffen. Gut, nach dem Stich einer Wespe und mehreren Stichen von Hornisse ist das ja nur allzu verständlich, aber auch Schmetterlinge oder Spinnen stellen für meinen Mama-Menschen seit jeher schon immer eine tierische Bedrohung dar.

Vor einigen Monaten ist uns auf unserem Spaziergang am frühen Morgen ein seltsames Tier begegnet, welches uns regelrecht verfolgt hat. Mein Mama-Mensch ist bis heute der felsenfesten Überzeugung, dass dieses Tier ein Waschbär gewesen ist. Zu meinem Oma-Menschen hat mein Opa-Mensch früher im Scherz „Waschbär von der Heimaterde“ (so hieß der Stadtteil) gesagt, aber dass hatte wohl mehr etwas mit Wäsche zu tun. Wie auch
immer, Frau B., die Mama meiner besten Freundin Zina, hat sogar im letzten Sommer behauptet, dass im
Ein Waschbärbusch?
Gebüsch unseres Kreisverkehrs eine Schlange leben würde. Und so eilt mein Mama-Mensch nun immer öfter im Zick-Zack hüpfend und laufend durch den Dorfdschungel, wobei mein Papa-Mensch und ich uns befleißigen, dabei mit ihr Schritt zu halten …

Eine zusätzliche Bedrohung in unserer Region scheint neuerdings von Vampiren auszugehen. Auch wenn wir nicht in Transsylvanien leben, halten es mein Mama-Mensch und mein Papa-Mensch offenbar für ihre Pflicht, mich vor dieser Gefahr zu schützen. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass sie in der vergangen Woche zwar mein allerliebstes Lieblingsleckerli gekauft haben, jedoch nicht mit Schinken, sondern mit Knoblauch! „Das ist neu und fördert die Gesundheit ihres Hundes ...“, schwärmte die Verkäuferin im Tiergeschäft. Kann sie ja gerne selber essen! Mein Papa-Mensch hatte wohl auch so seine Bedenken und meinte, Knoblauch soll nicht gut für Hunde sein. Doch die Verkäuferin ließ sich nicht beirren: „In der richtigen Menge ist
Das Zeug esse ich nicht!
Knoblauch sehr Gesund ….“ usw., usw.. Gut auch als Abwehr gegen Zecken, Flöhe und damit wohl auch Vampire. Kein Wunder - als ich Zuhause daran schnüffelte bin ich fast in Ohnmacht gefallen. Mit nur einem einzigen Blick habe ich meine ganze Verachtung gegenüber diesem „Leckerchen“ zum Ausdruck gebracht und bekam fortan wieder meine Schinken-Leckerchen. Ein Vampir ist mir bisher aber trotzdem noch nicht begegnet …

Ein Vampir ist mir bisher nicht begegnet, aber wie steht es eigentlich mit Engeln. Viele Menschen scheinen zu glauben, dass es Engel gibt. Besonders häufig glauben die Menschen wohl an Schutzengel, welche die Menschen begleiten und vor Bösem oder Schaden bewahren. Aber es gibt auch Menschen, welche uns Tiere vor Bösem oder vor Schaden bewahren. Natürlich fallen mir dabei sofort meine Mama Gisi und mein Papa Ralf ein. In all den Jahren in Spanien haben sie unzählige Hunde gerettet und diese so vor weiterem Bösen, vor Schaden oder dem sicheren Tod bewahrt.
Mein Schutengel - Gisi



Als ich neulich meine Mama Gisi und meinen Papa Ralf traf, hörte ich meinen Papa Ralf (ich saß ja direkt neben ihm und ließ mich von ihm streicheln) von einer für mich unvorstellbaren Zahl sprechen, mehr als 700 - in Worten: siebenhundert - Hunde haben durch die beiden ein neues und glückliches Leben beginnen können. 




Mein Schutzengel - Ralf
Dabei ist es für mich nicht zu erklären, woher meine Mama Gisi und mein Papa Ralf die schier
unerschöpfliche Kraft hernehmen, trotz all dem unvorstellbaren Schmerz und Leid und den widrigen Umständen in Spanien, jeden Tag rastlos und ohne Rücksicht auf sich selbst weiterzumachen.


Wie meine liebe kleine Samantha, mein lieber kleiner Muffin und viele hier ungenannte Hunde der Finca bin und werde ich es immer sein - tief verbunden mit unseren Schutzengeln Gisi und Ralf. Manche Menschen glauben, es gibt Engel - manche Menschen glauben, es gibt keine Engel - wir Hunde der Finca Lucendum jedoch wissen, Gisi und Ralf sind Engel!
Danke!

Freitag, 26. Juli 2013

Ein Kuss und Neuigkeiten von meiner Tochter Samantha

Samantha (Foto: Finca Lucendum, FL)


Wie es überhaupt neulich bei diesem Besuch so spontan passieren konnte, weiß ich nicht. Es ist ja wirklich nicht meine Art, so was zu machen. Oder besser gesagt, ich mache es außerhalb meiner Familie nie, bei niemandem, auch nicht bei der Mama meiner besten Freundin Zina. Aber ich habe einfach das zwingende Bedürfnis gehabt und konnte oder wollte mich gar nicht zurückhalten.





Ich habe meiner Mama Gisi ein Küsschen gegeben!



Ich war genau so erschrocken darüber wie mein Mamamensch und mein Papamensch überrascht und froh darüber waren. Was Mama Gisi darüber dachte, weiß ich nicht, weil ich danach gar nicht mehr in ihre Richtung schaute. Aus Sicherheitsgründen, natürlich. Nicht, dass sie denken würde, ich möchte wieder zurück zur Finca Lucendum, denn ohne meinen Mama- und Papamenschen gehe ich nirgendwo mehr hin. Das wollte ich mal klarstellen, aber das Küsschen war ehrlich. Es war ein Ausdruck von meiner ewigen Dankbarkeit darüber, dass Gisi und Ralf meine Tochter Samantha und mich gerettet haben.

Wir saßen alle gemeinsam in einem Cafe nicht so weit weg von meinem Zuhause. Neben mir saß mein Papa Ralf, dem ich erlaubte, mich zu streicheln. Das hatte ich auch nie bei ihren früheren Besuchen erlaubt, aber da schon das mit dem Küsschen passiert war, konnte ich mich trauen und genoß es einfach. Ihm gegenüber bin ich ja auch genau so ewig dankbar. Das können sie ruhig wissen und langsam kann ich es ihnen ein bisschen Zeigen, ohne Angst zu haben, meinen Mama- und Papamenschen dadurch zu verlieren. Aber übertreiben soll man das alles nicht, Hund kann ja nie absolut sicher sein.

Plötzlich mußte ich aufhorchen, weil ich den Namen von meiner Tochter Samantha hörte. Was war mit ihr? Sie lebt ja seit unserer Rettung vor ungefähr zwei Jahren auf der Finca Lucendum bei Gisi und Ralf. Ich sollte wohl eher sagen, bei ihrer großen Liebe Unai, weil meine Samantha sich immer noch nicht von Menschen anfassen läßt. Von keinem. Unai ist ihr
Samantha mit ihrem Unai (Foto: FL)
Beschützer und bester Freund. Es macht mich unendlich glücklich zu wissen, dass sie beide immer zusammen auf der Finca bleiben dürfen. Früher habe ich gar nicht gewußt, dass es Menschen mit so einem guten Herz gibt, Menschen, die so etwas ermöglichen und ihr Wort auch halten.

Es macht mich oft trübselig, wenn ich daran denke, wie unser Leben vor der Finca Lucendum war. Wie schon erzählt, ist unser Futtermensch, der alte Mann, ja plötzlich verstorben und die Verwandten räumten das Haus danach aus und ließen uns fünf Hunde alleine in diesem alten, zerfallenen Gebäude zurück. Diese endlosen Monate mit Furcht und Angst waren das schlimmste, was uns jemals passiert ist. Darüber genauer zu berichten mag ich ja nicht, aber eine Sache läßt mir keine Ruhe: für uns erwachsene Hunde war es schon schlimm, richtig schlimm, aber wie mag es wohl dann für meine liebe arme Tochter gewesen sein, die damals erst ein Baby war?
Foto: Finca Lucendum

Nube – übersetzt Wolke – nannte ich meine kleine süße Tochter damals, weil sie wie eine niedliche weiche Wolke aussah. Meine Nube hatte noch keine Beziehung zu unserem Futtermenschen aufgebaut, weil sie einfach zu jung war. Danach bedeuteten alle Menschen für uns nur Gefahr, weil wenn sie einen von uns erwischten, gab es nur Schläge, Tritte und schlimmeres. Der Mensch war für uns die größte Gefahr, vor der wir uns schützen mußten. Einer von uns vier Erwachsenen paßte immer auf, besonders auch Nachts, und es war auch dringend notwendig, weil sehr oft kam jemand, hauptsächlich Jugendliche, und wir mußten flüchten und uns verstecken. Nube war völlig verängstigt, weil sie die Angst von uns Erwachsenen spürte und weil ich sie nur dadurch schützen konnte, dass ich ihr immer wieder sagte, sie soll sofort weg rennen und sich verstecken, wenn Menschen uns zu Nahe kamen.

Meine Nube lernte in ihren ersten Monaten nur, dass der Mensch böse ist. Ich hätte ihr gerne etwas anderes beigebracht und sie verschont, aber unsere Wirklichkeit war nun mal so. Wenn ich ihr gesagt hätte, sie soll Vertrauen haben und dass nicht alle Menschen so sind, hätte ich sie in größte Gefahr gebracht. Ich konnte nicht anders. Meine liebe arme Nube. Meine arme kleine Tochter. Wie soll sie nach all dem glauben, dass es gute Menschen gibt, sehr selten nur für uns verlassene Hunde, aber dass es sie doch gibt?

Unai und Samantha (Foto: FL)
Nach unserer Rettung durch Mama Gisi und Papa Ralf bekam meine Tochter einen neuen Namen, Samantha, den ich wunderbar und sehr passend finde. Alle meine Beteuerungen, dass diese Menschen uns garantiert nichts Böses wollen, hätte sie gerne geglaubt, aber sie kann nicht. Es tat mir in der Seele so weh, als ich sah, wie sie irgendwo hockte und zuschaute, wie die anderen Finca-Hunde gestreichelt und geschmust wurden. Sie möchte es auch so gerne mal erleben, aber sie kann ihre Angst und die Vergangenheit nicht so leicht vergessen.

Unai und Samantha (Foto: FL)
Unai ist ihr eine große Hilfe. Weil ich wußte, dass sie mit ihm glücklich ist und dass sie nie getrennt werden, konnte ich damals vor zwei Jahren doch etwas beruhigt mit meinem neuen Mamamensch nach Deutschland gehen. Unai ist ein herzensguter Kerl, dem man immer vertrauen kann.


Aber nun hatten Gisi und Ralf doch etwas neues zu berichten. Meine Samantha habe angefangen zu spielen! Sie habe einen Spielkameraden Namens Domingo gefunden und würde mit ihm herum toben und spielen! Es sind so gute Nachrichten, weil sie auch Spielen von früher her nicht kannte. Für mich bedeutet diese herrliche Nachricht, dass meine kleine liebe Tochter, meine Nube, doch langsam anfängt sich zu öffnen und vor allem aufhört, dauernd zu grübeln und Angst zu haben. Wer spielt, ist in dem Moment glücklich! Hoffentlich treffe ich meine Mama Gisi und meinem Papa Ralf bald wieder und sie bringen neue gute Nachrichten von der Finca Lucendum mit.
Unai, Domingo und Samantha (Foto: FL)




























Mittwoch, 10. Juli 2013

Das Ur-Laub und mein Mamamobil

Den Tag vor der Abreise fand ich furchtbar aufregend. Sofort als die Koffer und die großen Taschen hervor geholt wurden, wußte ich, dass meine Menschen irgendwohin fahren würden und auch für länger als nur einen Tag. Als ich aber nirgends meinen eigenen Rucksack entdecken konnte, wurde mir ganz mulmig, weil ich auf keinen Fall alleine zu Hause bleiben wollte. Um meinen lieben – und manchmal leider etwas begriffsstutzigen – Menschen meine Absicht zu verdeutlichen, folgte ich ihnen den ganzen Tag Schritt für Schritt. Ich wurde langsam so nervös, dass ich nur auf den Schoß wollte, weil sie so auf keinen Fall ohne mich wegfahren konnten. Endlich zeigte mein Papa-Mensch mir meinen Rucksack und sagte, dass wir Ur-Laub hätten und dass ich natürlich mitkäme.

Mit Ur-laub konnte ich nicht so viel anfangen. Laub kannte ich natürlich von Schnüffeln her. Vielleicht meinten meine Menschen irgendein Ur-Laub am Amazonas. Besser ein Fluß als ein Meer. Aber warum mußten sie dann so viel Krempel und Kleider mitnehmen? In einem Regenwald muß man doch keine schönen Sachen anziehen – oder die Stadtklamotten, wie mein Mama-Mensch immer sagte. Regenkleidung würde doch reichen, wobei ich allerdings kein Regen mag. Sie packte aber so viel ein, dass der Kleiderschrank fast leer war. Würden wir für immer dort bleiben? Vielleicht bedeutet es, dass meine Menschen aus irgendeinen Grund ein neues Revier suchen wollen. Mir gefiel der Gedanke gar nicht so gut, weil ich eigentlich keine Veränderungen mag. Ich hatte ja in meinem ersten Leben in Spanien schon so einiges durchgemacht, wurde verlassen und viel Furchtbares ist passiert, bevor mich Gisi und Ralf von der Finca Lucendum gerettet haben. Eine Sekunde lang dachte ich daran, ob meine Menschen nun vorhatten, mich auch zu verlassen, aber da war ja mein Rucksack. Und das würden sie sicher niemals tun, sicher nicht, nicht wahr, so was würden sie sicher niemals nicht tun, hatten sie versprochen, dass nie, dass nie, nie, nie...oder doch?

Um auf andere Gedanken zu kommen, versuchte ich ein Gespräch mit den Katzen, Vili und Clara, anzufangen und fragte, ob sie nicht Lust hätten, mit zu kommen. Vili wurde bei dem bloßen Gedanken daran, die Wohnung verlassen zu müssen, hysterisch und fing fast an zu heulen. Clara mauzte, dass sie keine Lust habe, sich stundenlang im Auto zu übergeben, weil Ur-Laub sicher nicht hier in der Nähe zu finden war - und Amazonas schon mal gar nicht. Als ich die Kaninchen, Happy und Max, ebenfalls fragte und sogar vorschlug, dass sie ihre Karotten und ihr Grünzeugs bei mir in den Rucksack hinein tun könnten, starrten beide mich nur verständnislos an und mümmelten weiter. Na ja, dann eben nicht. Anscheinend würde auch der Oma-Mensch bei ihnen bleiben, weil sie keine Anstalten machte, Koffer zu packen.

Am nächsten Morgen war ich total übernächtigt, weil ich die ganze Nacht aufgepaßt hatte, dass meine Menschen bloß nicht ohne mich aufbrechen. Im Auto durfte ich auf meiner neuen Kühldecke, die ich zum Geburtstag bekommen hatte, liegen. Es war herrlich, obwohl es draußen wieder richtig warm wurde. Wegen der ganzen Anstrengung schlief ich ein und bekam von der ganzen Fahrt überhaupt nichts mit. Ein Mal wachte ich auf, als wir hielten. Zuerst dachte ich, wir seien am Ziel, weil mein Papa-Mensch voller Freude verkündete, wir seien in unserem alten Revier. Offenbar hatte aber mein Schwester-Mensch nicht die Absicht, mit uns ins Ur-Laub zu fahren, denn sie stieg aus, um zu den Sardinen zu fliegen. Sie muß wohl  Fisch sehr mögen.

Als ich das nächste mal aufwachte, war ich sehr überrascht, als wir an einem Ort ankamen, den ich schon kannte. Wir waren nämlich schon mal da gewesen, wohl letzten Sommer. Aber ich wußte gar nicht, dass das der Amazonas ist. Es ist ein kleines Dorf auch an einem riesigen Fluß, welcher aber wohl Moses oder so ähnlich heißt. Sogar die Unterkunft war dieselbe, wie ich sofort erkannte. Anscheinend würden wir hier
wieder einige Tage bleiben und das Revier erkunden, obwohl ich den ganzen Zusammenhang immer noch nicht begriff.

Es ging wohl doch um ein neues Zuhause für uns. Ich hörte nämlich, wie mein Papa-Mensch davon sprach, Berge zu besichtigen. Sie wollten wohl zuerst einen Berg zum wohnen finden und dann die anderen Tiere und Menschen von Zuhause holen. Das fand ich schon interessant, weil so auf einem Berg in mitten der Natur zu leben, wäre sicher spannend. Wir wären wie ein richtiger Wolfsrudel, zwar mit Katzen und Kaninchen, aber immerhin! Aber vielleicht gab es dort auch echte Wölfe? Bisher hatte ich nur einen Wolf getroffen, und der war eigentlich nur ein Halbwolf – nämlich Antonia von Finca Lucendum. Sie ist nett und freundlich, aber
wie würde ich mit wilden Wölfen zu recht kommen? Wieder machte ich mir viel zu viele Gedanken, weil ich beim genaueren Hinhören feststellen mußte, dass es gar nicht um Berge sondern eigentlich um Burgen ging. Eine Burg zum wohnen wäre natürlich viiiiiiiiel sicherer, wenn man an die Wölfe denkt.

Eine Sache hatte ich aber richtig verstanden: eine Burg liegt meistens auf einem Berg. Dort, wo wir jetzt wohnen, war alles flach, flacher geht es gar nicht. Es gibt keine Berge, keine Hügel und auch keine Erhöhungen. Es geht nicht rauf und drunter, wie an dem Moses. Sogar unten im Dorf, wo es so gemütlich am Fluß ist, mußten sie alles bergig bauen, bishin zu den kleinsten Brücken.
Bergauf zu laufen fand ich total ungewohnt, meine Beine fühlten sich so schwer an und es wurde so schnell furchtbar warm. Ich mochte das überhaupt nicht. Zum Glück hatte ich mein Mamamobil dabei und immer wenn ich niedlich guckte, erbarmte sie sich. So ein Mamamobil kann ich nur jedem Hund empfehlen. Ein bisschen wunderte es mich zwar, warum mein Mobil immer so überhitzte, es keuchte und wurde rot, aber sonst funktionierte es doch perfekt.
Mein Mamamobil
So eine Burg muß aber gut ausgewählt werden, wenn man beabsichtigt, da drin zu wohnen. Deswegen war es wohl auch für meine Menschen sehr schwer, die richtige zu finden. Eine Burg zum Beispiel war eine
Erlebnisburg, aus der uns schon von weitem lautes Geschrei von unzähligen Kindern entgegen schwirrte. Da ich so meine Erfahrungen mit einigen Kindern in Spanien gemacht habe, gingen wir gar nicht erst näher. In einer anderen Burg wollten sie gar keine Hunde haben, auch nicht auf dem Hof. Das fanden wir alle natürlich doof, besonders weil die Burg sehr schön ist und dort auch noch ein Ritter wohnt. Mein Mama-Mensch meinte, dass alle Ritter schon längst weg seien, aber mein Papa-Mensch sagte, dass er gerade einen Schatten von einem Ritter am Fenster gesehen hätte. Ich verstand nicht richtig, warum mein Mama-Mensch das nicht interessant, geschweige denn witzig fand, sondern lieber besonders schnell weg wollte.

Dort wohnt ein Ritter

Laaangweiliiiig

Es wurde dann doch nichts mit den Burgen. Meine Menschen waren anscheinend ziemlich verzweifelt, weil sie auch noch mehrere Städte und Dörfer besichtigten, wohl  um irgendetwas wohnbares zu finden. In einer Stadt führten sie mich sogar zu einer Ruine, wo früher irgendwelche Römer gewohnt hatten. Mein Mama-Mensch hat das noch genauer erklärt, aber ich fand es erstens doch etwas ungemütlich, in so einer Ruine zu wohnen und zweitens
die Geschichte mit den Römern irgendwie etwas langweilig. Trotzdem versuchte ich interessiert rein zu schauen.

An diesem Moses war es schon schön, das muß ich sagen. Ein trauriges Erlebnis hatten wir aber doch. Mein
Mama-Mensch und ich hatten eine Entenmama mit neun ganz winzigen Küken am Fluß gesehen. Am nächsten Tag waren es aber nur noch vier Küken. Um uns zu trösten, sagte mein Papa-Mensch, dass es mit Sicherheit eine andere Entenfamilie gewesen ist. Mein Mama-Mensch und ich taten so, als ob wir ihm glaubten. Aber die vier Kleinen sah ich auf jeden Fall noch am letzten Tag. Meine Menschen hatten nämlich wohl doch keine Bleibe dort gefunden und so entschieden sie, zurück ins Flachland zu fahren. Ich habe es nicht laut gesagt, aber sie haben wohl doch bemerkt, wie sehr ich mich freute, mein eigenes Revier wieder beschnüffeln zu können.
Tschüß, Moses!
Ab ins Flachland zurück!