Freitag, 23. August 2013

Wir in Papas Revier

Eines habe ich gelernt, mein Mama-Mensch und mein Papa-Mensch können äußerst beharrlich sein. Mein Mama-Mensch - als Mamamobil - sorgt zum Beispiel standhaft für meine Mobilität, wenn ich keine Kraft mehr zum Laufen habe. Mein Papa-Mensch sorgt zum Beispiel unermüdlich für mein Wohlbefinden, wenn ich mit meiner Lieblingsbürste ausgiebig gebürstet werden möchte. Zugegeben, hin und wieder muss ich meine Menschen mit etwas Nachdruck an ihre Beharrlichkeit erinnern...


Nachdem aber nun die Suche nach einer neuen Bleibe an diesem Moses nicht von Erfolg gekrönt war, begann mein Mama-Mensch bereits kurze Zeit nach unserer Rückkehr Koffer sowie Reisetaschen wieder zu füllen, indem sie den Kleiderschrank - inklusive der „Stadtklamotten“ natürlich - wieder leerte. Oh je, jetzt begann die ganze Prozedur wieder von vorn. Stress beim Packen, Stress am Morgen der Abfahrt und ich ständig auf der Hut und immer mittendrin und hoffentlich mit dabei! Leider klappte es auch diesmal mit meinem eigenen kleinen Rucksack nicht wirklich besser.

Ich kam zu der Schlussfolgerung, dass mein Mama-Mensch und mein Papa-Mensch die Suche nach einem neuen Revier an einem anderen Ort fortsetzten wollten. Wie auch schon bei unserer Fahrt vor wenigen Wochen - wie eigentlich bei jeder unserer Fahrten -, schlief ich tief und unbekümmert. Und auch diesmal wachte ich auf, weil mein Papa-Mensch voller Freude verkündete, wir seien in unserem alten Revier. In diesem Augenblick bekam ich allerdings einen gehörigen Schrecken. Sofort musste ich daran denken, was ich meinen Mama-Menschen einmal in irgendeinem Zusammenhang über einen Film hatte sagen hören, wo an jedem Tag und immer wieder der Tag des Murmeltiers ist. Wir würden doch nicht etwa wieder zum Moses fahren und wieder zurück und wieder hin und wieder zurück und immer wieder packen und - oh neiiiiiiin!!! Doch als ich endlich aus dem Halbschlaf erwacht war, merkte ich, dass wir diesmal bereits am Ziel waren - wir in Papas Revier!
Es riecht alles anders!

Das Revier von meinem Papa-Menschen liegt im Sektor und die Menschen, die dort leben, sind seeeeeeeeeehr freundlich zu allen Menschen und zu allen Tieren - vielleicht einmal abgesehen von Fliegen und Mücken, die aber auch wirklich zu lästig sind. Das Revier besteht aus ganz vielen zusammenhängenden Städten und in dieser gefühlt riesigen Stadt gibt es unvorstellbar viel zu entdecken und zu schnüffeln. Allerdings sprechen viele Menschen dort, ähnlich wie mein Mama-Mensch, ihre sehr eigene Sprache: Eine Trinkhalle heißt dort: Bude - einen Kleingärtner nennt man dort: Laubenpieper - einen Schrotthändler nennt man dort: Klüngelskerl - eine nicht besonders gute Zeitung heißt dort: Käseblatt - Gebäck bezeichnet man dort als: Plätzkes, was wiederum nicht mit Klümpkes zu verwechseln ist. Dies alles ist zwar nicht so schwer wie Finnländisch, doch sollte es unser neues Revier werden, so muss ich sicher noch gaaaaaaaaaanz viel üben.
Hotelbetten sind sooooo schön!

Das Hotel gefiel mir sehr gut und - psssssssst, nicht verraten - ich durfte zwischen meinem Mama-Menschen und meinem Papa-Menschen im Bett schlafen. Zum Frühstück durfte ich mit in den Frühstücksraum, obwohl das eigentlich nicht erlaubt ist. Aber der nette Mann am Empfang hat es mir trotzdem erlaubt, weil ich Zitat: „eine ganz liebe und ganz brave“ bin .

Im Rahmen unserer Ausflüge besuchten wir auch ein großes Einkaufszentrum. Hier hatte mein Papa-Mensch vor dreißig Jahren mit der Polizei zu tun. Jawohl, mit einem Hauptkommissar Schimanski von der Mordkommission aus einer Stadt in diesem Revier. Mein Papa-Mensch war bei der Besichtigung des
„Tatortes“ ganz Feuer und Flamme, mein Mama-Mensch und ich hingegen nach der ausführlichen Begehung des Parkplatzes und der Besichtigung zweier Treppenhäuser, begleitet von Anekdoten, doch etwas ermattet. Mein Mama-Mensch erfrischte sich, indem sie sich anschließend die Geschäfte im Einkaufszentrum ansah und ich schlief im Auto auf dem Arm meines Papa-Menschen.

Ein besonderes Anliegen meines Mama-Menschen ist es hingegen gewesen, ihre alte Schule zu besuchen. Hier hat sie Historikerin und wohl etwas mit Medizin gelernt, denn sie ist ja auch Doktor.
Mein Mama-Mensch war bei der Besichtigung der „Lehranstalt“ ganz Feuer und Flamme, mein Papa-Mensch und ich hingegen nach der ausführlichen Begehung des Schulhofes und der Besichtigung der Gebäude, begleitet von Anekdoten, doch etwas ermattet. Und so schlief ich im Auto …

Da gefiel mir ein Besuch auf dem Gelände einer stillgelegten Zeche doch schon viel, viel besser. Schließlich bin ich dort schon einmal gewesen und wusste, es gibt dort viel Kunst und Kultur und viel zu schnüffeln.

Im Revier meines Papa-Menschen findet man auch gaaaaaanz viel Natur. Es verfügt über einen eigenen Moses, einen großen See, über Parks und Gärten und noch vieles, vieles mehr. Zwar gibt es dort keine
Burgen, wie am Moses, doch herrliche Schlösser. Da zwei Tage vor unserer Abreise mein Schwester-Mensch von den Sardinen zurückkehrte - zunächst habe ich sie ganz misstrauisch beschnüffelt, doch Gott sei dank roch sie nicht nach Fisch - zogen wir in ein anderes Hotel. Dieses Schlosshotel liegt - wie der Name ja schon sagt - direkt an einem Schloss und einem besonders schönen Park.


Übrigens, den wunderschönen See haben wir noch kurz vor unserer Abreise besucht. Als dann das Ausflugsschiff kam, hoffte ich für einen
Moment wir würden mitfahren können. Aber leider reichte die Zeit nicht mehr aus und das ist vielleicht auch ganz gut so, denn auf Schiffen überkommt mich immer ein Unwohlsein. An diesem See gibt es ein weiteres Schloss - ein unbewohntes Schloss mit einer weißen Frau, sagt mein Papa-Mensch …. - und im nächsten Moment ist mein Mama-Mensch wieder im Auto gesessen und verlangte energisch nach der Abreise.

Ich auf meinem Mama-Mobil und mein Schwester-Mensch.
Mein Mama-Mensch hatte es plötzlich ganz eilig.


Tschüß, Papas Revier!



Freitag, 16. August 2013

(Nacht-)Gedanken zum Dorfdschungel, zu Vampiren und zu Engeln

Gerne drehe ich jeden Tag meine Runden durch das Dorf. In Begleitung von meinem Mama-Menschen und meinem Papa-Menschen schnüffle ich Spuren, treffe Freunde und Bekannte und erledige ganz nebenbei mein Geschäft. Bisher waren diese Spaziergänge immer von Ruhe und Harmonie geprägt.
Im Winter ist Schnüffeln total unhektisch!

In den letzten Wochen jedoch, gleichen die Runden immer mehr einem Zick-Zack-Kurs, begleitet von undefinierbaren Ausrufen wie: „ÖÖÖÖÖH“, „AAAAAH“, „EIIII“ und dergleichen mehr. Gleichzeitig werde ich jäh und ungestüm beim Schnüffeln oder beim Dahinschlendern unterbrochen und mit merklich erhöhtem Tempo wird der Spaziergang in die eine und zugleich in die andere Richtung fortgesetzt. Verursacher dieser
Jetzt geht es aber wieder schnell irgendwohin!
seltsamen Laute ist mein Mama-Mensch und obwohl sie eine echte Finnländerin ist, macht ihr der Dorfdschungel in letzter Zeit sehr zu schaffen. Gut, nach dem Stich einer Wespe und mehreren Stichen von Hornisse ist das ja nur allzu verständlich, aber auch Schmetterlinge oder Spinnen stellen für meinen Mama-Menschen seit jeher schon immer eine tierische Bedrohung dar.

Vor einigen Monaten ist uns auf unserem Spaziergang am frühen Morgen ein seltsames Tier begegnet, welches uns regelrecht verfolgt hat. Mein Mama-Mensch ist bis heute der felsenfesten Überzeugung, dass dieses Tier ein Waschbär gewesen ist. Zu meinem Oma-Menschen hat mein Opa-Mensch früher im Scherz „Waschbär von der Heimaterde“ (so hieß der Stadtteil) gesagt, aber dass hatte wohl mehr etwas mit Wäsche zu tun. Wie auch
immer, Frau B., die Mama meiner besten Freundin Zina, hat sogar im letzten Sommer behauptet, dass im
Ein Waschbärbusch?
Gebüsch unseres Kreisverkehrs eine Schlange leben würde. Und so eilt mein Mama-Mensch nun immer öfter im Zick-Zack hüpfend und laufend durch den Dorfdschungel, wobei mein Papa-Mensch und ich uns befleißigen, dabei mit ihr Schritt zu halten …

Eine zusätzliche Bedrohung in unserer Region scheint neuerdings von Vampiren auszugehen. Auch wenn wir nicht in Transsylvanien leben, halten es mein Mama-Mensch und mein Papa-Mensch offenbar für ihre Pflicht, mich vor dieser Gefahr zu schützen. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass sie in der vergangen Woche zwar mein allerliebstes Lieblingsleckerli gekauft haben, jedoch nicht mit Schinken, sondern mit Knoblauch! „Das ist neu und fördert die Gesundheit ihres Hundes ...“, schwärmte die Verkäuferin im Tiergeschäft. Kann sie ja gerne selber essen! Mein Papa-Mensch hatte wohl auch so seine Bedenken und meinte, Knoblauch soll nicht gut für Hunde sein. Doch die Verkäuferin ließ sich nicht beirren: „In der richtigen Menge ist
Das Zeug esse ich nicht!
Knoblauch sehr Gesund ….“ usw., usw.. Gut auch als Abwehr gegen Zecken, Flöhe und damit wohl auch Vampire. Kein Wunder - als ich Zuhause daran schnüffelte bin ich fast in Ohnmacht gefallen. Mit nur einem einzigen Blick habe ich meine ganze Verachtung gegenüber diesem „Leckerchen“ zum Ausdruck gebracht und bekam fortan wieder meine Schinken-Leckerchen. Ein Vampir ist mir bisher aber trotzdem noch nicht begegnet …

Ein Vampir ist mir bisher nicht begegnet, aber wie steht es eigentlich mit Engeln. Viele Menschen scheinen zu glauben, dass es Engel gibt. Besonders häufig glauben die Menschen wohl an Schutzengel, welche die Menschen begleiten und vor Bösem oder Schaden bewahren. Aber es gibt auch Menschen, welche uns Tiere vor Bösem oder vor Schaden bewahren. Natürlich fallen mir dabei sofort meine Mama Gisi und mein Papa Ralf ein. In all den Jahren in Spanien haben sie unzählige Hunde gerettet und diese so vor weiterem Bösen, vor Schaden oder dem sicheren Tod bewahrt.
Mein Schutengel - Gisi



Als ich neulich meine Mama Gisi und meinen Papa Ralf traf, hörte ich meinen Papa Ralf (ich saß ja direkt neben ihm und ließ mich von ihm streicheln) von einer für mich unvorstellbaren Zahl sprechen, mehr als 700 - in Worten: siebenhundert - Hunde haben durch die beiden ein neues und glückliches Leben beginnen können. 




Mein Schutzengel - Ralf
Dabei ist es für mich nicht zu erklären, woher meine Mama Gisi und mein Papa Ralf die schier
unerschöpfliche Kraft hernehmen, trotz all dem unvorstellbaren Schmerz und Leid und den widrigen Umständen in Spanien, jeden Tag rastlos und ohne Rücksicht auf sich selbst weiterzumachen.


Wie meine liebe kleine Samantha, mein lieber kleiner Muffin und viele hier ungenannte Hunde der Finca bin und werde ich es immer sein - tief verbunden mit unseren Schutzengeln Gisi und Ralf. Manche Menschen glauben, es gibt Engel - manche Menschen glauben, es gibt keine Engel - wir Hunde der Finca Lucendum jedoch wissen, Gisi und Ralf sind Engel!
Danke!